Ist das ein Doodle?

Welpen Lagotto Romagnolo Hannover Hamburg Braunschweig Harz
Bild KI generiert

 

Es gibt Fragen, die hört man als Lagotto Mensch irgendwann nicht mehr zum ersten Mal.

Man geht mit seinem Hund durch die Stadt. Sitzt im Café. Läuft am Strand entlang. Irgendwo bleibt jemand stehen, schaut auf die Locken und fragt freundlich,

„Ach, ist das ein Doodle?“

Nein.

„Was ist es denn dann?“

Ein Lagotto Romagnolo.

Kurze Pause.

„Und was ist das?“

Spätestens jetzt weiß man als Lagotto Mensch, daß aus einem freundlichen Zweizeiler wieder ein kleines Seminar über italienische Wasserhunde werden könnte.

Man lächelt. Natürlich. Wir sind schließlich gut erzogen. Der Hund meistens auch.

Und dann erklärt man zum vermutlich siebenhundertachtunddreißigsten Mal, daß der Lagotto Romagnolo eine alte italienische Hunderasse ist. Ein Wasserhund, Arbeitshund und ein hervorragender Trüffelsucher. Eine eigenständige Rasse mit langer Geschichte.

Während der Lagotto danebensteht und sich vermutlich fragt, warum sein Mensch fremden Leuten eigentlich ständig seinen Lebenslauf erzählt.

Manchmal möchte man einfach nur sagen,

„Das ist ein Lagotto.“

Punkt.

Denn Labradoodle, Goldendoodle, Cockapoo und all die anderen Doodle Mischungen haben eines geschafft, ein Hund mit Locken wird heute erstaunlich schnell zum Doodle erklärt.

Der Lagotto Romagnolo war allerdings schon ein Lagotto, als noch niemand darüber nachdachte, zwei Hunderassennamen zu einem neuen Wort zusammenzusetzen.

Seine Locken sind also keine neue Erfindung.

Sie gehören schon etwas länger zu ihm.

Aber er sieht doch aus wie ein Doodle. Manchmal ja, zumindest auf den ersten Blick.

Ein Labradoodle oder Goldendoodle kann einem Lagotto durchaus ähnlich sehen. Lockiges Fell, dunkle Knopfaugen, Bart und dieser Gesichtsausdruck, bei dem Menschen ziemlich zuverlässig schwach werden. Unter den Locken können allerdings sehr unterschiedliche Hunde stecken.

Ein Doodle entsteht aus der Kreuzung verschiedener Hunderassen. Beim Labradoodle sind es Labrador Retriever und Pudel, beim Goldendoodle Golden Retriever und Pudel. Welche Eigenschaften die Nachkommen von welcher Seite mitbringen, läßt sich dabei nicht einfach nach Wunsch zusammenstellen und genau da wird es interessant.

Die Sache mit der Genetik

Rund um den Doodle begegnet einem gelegentlich die Vorstellung, man könne sich aus zwei Hunderassen einfach die angenehmsten Eigenschaften zusammensuchen.

Die Freundlichkeit von hier. Die Intelligenz von dort. Dazu die Locken des Pudels, möglichst keine Haare auf dem Sofa und fertig ist der Familienhund nach Wunsch. Wenn Genetik so funktionieren würde, wäre Hundezucht vermutlich erheblich einfacher. Tut sie aber nicht.

Ein Welpe bekommt nicht automatisch von jeder beteiligten Rasse genau jene Eigenschaften mit, die wir Menschen gern hätten. Fellstruktur, Haarverlust, Größe und andere Merkmale können unterschiedlich ausfallen. Sogar Geschwister aus demselben Wurf können am Ende ziemlich verschieden aussehen. Ein Doodle kann wunderschöne Locken tragen und wenig haaren.

Er kann aber auch beschließen, daß der Staubsauger durchaus weiterhin eine Daseinsberechtigung haben sollte. Das macht ihn nicht zu einem schlechten Hund. Es macht ihn schlicht zu dem, was Genetik manchmal ist, einfach ein kleines Überraschungsei auf vier Pfoten.

Auch Gesundheitsuntersuchungen verschwinden durch eine Kreuzung natürlich nicht aus der Gleichung. Verantwortungsvolle Zucht bedeutet bei jedem Hund, die für die beteiligten Rassen relevanten erblichen Erkrankungen zu kennen und die Elterntiere entsprechend untersuchen zu lassen. Denn aus zwei verschiedenen Rassen entsteht nicht automatisch ein gesünderer Hund.

Und ein hübscher neuer Rassename ersetzt keinen Gentest. Vielleicht liegt genau hier eines der Mißverständnisse unserer Zeit.
Ein Hund ist kein Baukastensystem, man kann Eigenschaften nicht ankreuzen.

Nicht beim Doodle. Und übrigens auch nicht beim Lagotto.

Und nein, der Lagotto ist auch kein kleiner Pudel! Auch diese Frage kennen wir.

Der Pudel und der Lagotto haben durchaus Gemeinsamkeiten. Beide sind intelligent, arbeitsfreudig und tragen ein Fell, bei dem die Natur offenbar beschlossen hat, daß eine gerade Linie vollkommen überschätzt wird.

Trotzdem sind es zwei unterschiedliche Hunderassen.

Der Lagotto Romagnolo ist eine eigenständige, alte italienische Hunderasse mit festgelegtem Rassestandard. Er wurde über Generationen für Aufgaben gezüchtet, bei denen Nase, Ausdauer und selbständiges Arbeiten gefragt waren. Das merkt man ihm bis heute an. Er denkt mit.

Gelegentlich denkt er sogar voraus. Sogar manchmal kommt er dabei zu Ergebnissen, über die mit seinen Menschen vorher keine Einigkeit erzielt wurde. Und vielleicht ist genau das der Unterschied.

Wer einen Lagotto nur wegen seiner Locken interessant findet, kennt eigentlich erst seine Verpackung. Spannend wird es darunter.

Ein Lagotto Romagnolo kann sensibel sein, ausgesprochen klug, anhänglich, arbeitsfreudig und sehr aufmerksam. Er möchte dazugehören, beobachten und er lernt verdammt schnell.

Leider gilt der letzte Satz nicht ausschließlich für Dinge, die wir ihm beibringen wollten.

Und auch beim Lagotto wäre es unseriös zu behaupten, man könne Gesundheit, Wesen oder Entwicklung eines Welpen vollständig vorausberechnen. Genau deshalb beschäftigen wir uns in der Zucht so intensiv mit Gesundheit, Abstammung, Wesen und den Hunden hinter unseren Hunden. Wir können vieles wissen, untersuchen, forschen immer wieder beobachten und sorgfältig wählen. 

Jedoch können wir das Leben nicht bestellen. Vielleicht ist das auch ganz gut so.

Deshalb ist ein Lagotto für uns weder ein modischer Lockenhund noch eine Alternative zum Doodle.

Er ist ein Lagotto.

Und wenn morgen wieder jemand fragt, „Ist das ein Doodle?“ werden wir freundlich lächeln und antworten.
„Nein. Ein Lagotto Romagnolo.“

„Und was ist das?“

Tja.

Dann fangen wir eben wieder von vorne an. Schließlich haben wir uns für eine intelligente italienische Hunderasse entschieden. Da sollte ein wenig Geduld mit den Menschen eigentlich dazugehören.