Der Mann mit seinem besten Freund am Meer
Der Mann ging am Meer entlang. Der Wind kam von vorn. So, wie er im Leben erstaunlich oft von vorn kommt, wenn man beschlossen hat, seinen eigenen Weg zu gehen. Neben ihm lief sein Hund. Nicht ordentlich bei Fuß und auch nicht immer in dieselbe Richtung. Hin und wieder blieb er stehen, schnupperte im Sand und beschäftigte sich mit Dingen, deren Bedeutung sich einem Menschen vermutlich niemals erschließen wird. Und trotzdem gingen beide denselben Weg. Der Mann sah hinaus auf das Meer.
Es gab Zeiten, da hatte er geglaubt, man müsse im Leben immer genau wissen, wohin man will. Einen Plan haben, Antworten geben können und am besten schon heute wissen, was morgen richtig sein wird. Heute wusste er es besser. Manchmal reicht es, zu wissen, wer man ist. Und wer mit einem geht. Der Hund lief ein Stück voraus. Dann blieb er stehen und sah zurück. Nur einen Augenblick. Dieser eine Blick, den Hunde können. Keine Frage, ob gestern alles richtig war. Keine Sorge darüber, was morgen sein könnte. Kein Urteil über Umwege, Fehler oder verlorene Zeit.
Eigentlich nur die eine Frage, bist Du noch da? Der Mann ging weiter. Hinter den Wolken war irgendwo der Nordstern. Man konnte ihn an diesem Tag nicht sehen. Aber vielleicht ist genau das sein Geheimnis. Was uns wirklich Richtung gibt, muss nicht ständig sichtbar sein. Man muss nur wissen, dass es da ist. Vor ihm wartete sein Lagotto. Hinter ihnen lagen ihre Spuren im Sand. Der Wind würde sie irgendwann verschwinden lassen. Aber das machte nichts. Sie mussten niemandem beweisen, wo sie gewesen waren. Sie wussten es. Und während vor ihnen das Meer rauschte, gingen sie einfach weiter.
Nicht weil sie wussten, was hinter dem Horizont auf sie wartete.
Sondern weil manche Wege keine Gewissheit brauchen.
Nur einen Menschen, der sie geht.
Und seinen besten Freund, der mitgeht.


