Nicht alles, was Aufmerksamkeit verdient, gehört ins Schaufenster.
Warum wir unsere Welpen nicht über Instagram und Facebook anbieten.

„Warum seid Ihr eigentlich nicht auf Instagram?“
Eine Frage, die uns immer wieder gestellt wird. Manchmal mit einer Verwunderung, als würden wir unsere Welpen noch per Brieftaube ankündigen und hätten die Erfindung des Internets erfolgreich ignoriert.
Dabei sind wir keineswegs von gestern. Wir haben sogar einen Facebook-Account. Und ja, auch wir haben dort früher Bilder unserer Welpen veröffentlicht. Weil wir stolz auf sie waren, weil wir unsere Freude teilen wollten und, wenn wir ganz ehrlich sind, weil es eben alle gemacht haben.
Manchmal braucht es eine gewisse Zeit, um zu erkennen, daß etwas, das alle tun, deshalb noch lange nicht das Richtige für einen selbst sein muß. Irgendwann haben wir begonnen, genauer hinzusehen.
Da werden Welpen präsentiert, fotografiert, bewundert und kommentiert. Ein besonders hübsches Gesicht bekommt besonders viele Herzchen. Eine außergewöhnliche Fellfarbe sorgt für Aufmerksamkeit. Und irgendwo zwischen einem Urlaubsvideo, einem Kochrezept und der Werbung für die nächste Küchenmaschine erscheint ein kleiner Hund, der noch gar nicht weiß, daß gerade Menschen darüber entscheiden, wie niedlich sie ihn finden.
Natürlich ist daran nicht grundsätzlich etwas Verwerfliches. Es gibt verantwortungsvolle Züchter, die soziale Medien nutzen, um Einblicke in ihre Arbeit zu geben. Und ein schönes Welpenfoto ist noch lange kein Zeichen mangelnder Verantwortung.
Aber die Frage ist doch eine andere. Muß alles, was wir lieben, auch öffentlich bewundert werden? Und wird etwas wertvoller, nur weil möglichst viele Menschen darauf reagieren?
Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit beinahe zu einer eigenen Währung geworden ist. Wer gesehen wird, scheint erfolgreich zu sein. Wer viele Follower hat, muß offenbar etwas richtig machen. Und wer nicht regelmäßig etwas veröffentlicht, gerät schnell in den Verdacht, überhaupt nicht mehr stattzufinden. Eine bemerkenswerte Vorstellung, wenn man darüber nachdenkt.
Denn während wir darüber diskutieren, wie viele Menschen uns folgen, interessiert sich unser Lagotto für etwas vollkommen anderes. Ob wir Zeit haben und wir aufmerksam sind. Wir verstehen, was er uns gerade mitteilen möchte? Und vielleicht auch, ob das Stück Käse auf dem Küchentisch tatsächlich unbeaufsichtigt bleibt. Ein Hund kennt keine Reichweite, denn er kennt Beziehung.
Und genau darin liegt für uns ein entscheidender Unterschied.
Wir möchten Menschen nicht mit einem besonders niedlichen Welpenbild dazu bringen, sich spontan in einen Hund zu verlieben. Wir möchten, daß sie sich zunächst mit der Frage beschäftigen, ob sie bereit sind, ihr Leben mit einem Hund zu teilen. Nicht nur an sonnigen Sonntagen, wenn der Lagotto frisch gebadet durch den Garten läuft und aussieht wie die Hauptfigur eines italienischen Liebesfilms. Sondern auch an einem verregneten Dienstagmorgen, wenn er mit bemerkenswerter Begeisterung den halben Garten ins Wohnzimmer trägt.
Wir wünschen uns Menschen, die nicht nur wissen möchten, welcher Welpe noch frei ist, sondern auch, wie er aufwächst, was ihn prägt, welche Bedürfnisse er hat und warum wir uns bei der Zuordnung unserer Welpen so viele Gedanken machen.
Denn wir geben keine Fellfarben ab. Wir vertrauen Menschen ein Lebewesen an.
Natürlich könnten wir unsere Welpen auf Instagram präsentieren. Wir könnten täglich kleine Filme veröffentlichen, ihre Entwicklung mit Musik unterlegen und uns über jedes neue Herzchen freuen. Vielleicht würden wir damit sogar mehr Interessenten erreichen.
Aber wäre das automatisch ein Gewinn?
Wir haben gelernt, daß nicht jede Möglichkeit genutzt werden muß, nur weil sie existiert. Und daß die Entscheidung gegen etwas manchmal mehr über die eigenen Werte aussagt als die Entscheidung dafür. Deshalb haben wir unserer Internetseite einen besonderen Stellenwert gegeben. Hier erzählen wir nicht nur von unseren Welpen, sondern auch von unseren Erfahrungen, unseren Überzeugungen und gelegentlich von Dingen, die uns nachdenklich machen. Wer möchte, kann bleiben, lesen, sich ein eigenes Bild machen und vielleicht feststellen, daß unsere Vorstellungen vom Zusammenleben mit einem Hund zu den eigenen passen.
Das braucht etwas mehr Zeit als ein schneller Blick auf ein Foto.
Aber Zeit ist ohnehin eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gutes Leben mit einem Hund.
Wir möchten mit dieser Entscheidung niemanden belehren. Wir haben schließlich selbst einmal mitgemacht. Und wir wissen, daß auch über soziale Medien wunderbare Begegnungen entstehen können.
Nur haben wir für uns einen anderen Weg gewählt.
Einen Weg, auf dem nicht die Zahl der Menschen zählt, die unsere Welpen sehen, sondern die Bereitschaft der Menschen, die ihnen später ein Zuhause geben. Vielleicht ist das nicht besonders modern und wir verzichten auf manche Anfrage und auf ein paar tausend digitale Herzchen.
Damit können wir leben.
Was wir nicht möchten, ist, daß unsere Welpen irgendwann nur noch danach beurteilt werden, wie gut sie sich präsentieren lassen.
Denn am Ende interessiert uns nicht, wie viele Menschen unseren Hunden folgen. Uns interessiert, wer bereit ist, sie ein Leben lang zu begleiten.
Familie Hanske · Cani Di Fortuna